Hand in Hand: Klimaanpassungen und Biologische Vielfalt zusammendenken
Pressemitteilung – 25.03.2026

Intensiver Austausch von über 70 Brandenburger Akteuren und Beratungskräften bei der Fachtagung “Schutz der Biodiversität in Zeiten des Klimawandels”
Die Vernetzungsstelle Biodiversitäts- und Klimaberatung Brandenburg hat 2025 ihre Arbeit aufgenommen und lud am 19. März 2026 erstmalig zu einer Fachtagung an den Seddiner See ein. Dabei ging es um das Zusammendenken der beiden Themenbereiche „Artenvielfalt“ und „Klimaanpassung“. Der Erhalt der Biodiversität ist eine Grundvoraussetzung für erfolgreichen Klimaschutz und Anpassungen an den Klimawandel innerhalb der Landwirtschaft. Nur gesunde Ökosysteme sind in der Lage, große Mengen an Treibhausgasen zu binden, und können so die Folgen extremer Wetterereignisse mildern.
Lösungsansätze zu finden und Best Practice-Modelle auszutauschen war Ziel der Fachtagung “Schutz der Biodiversität in Zeiten des Klimawandels”. Das große Brandenburger Fachwissen in Sachen Biodiversität und Klimaanpassung wurde vor Ort gebündelt und ausgetauscht. Über 70 Teilnehmende aus den Bereichen landwirtschaftliche Beratung, Landwirtschaft, Verwaltung, Forschung sowie Umwelt- und Naturschutzorganisationen kamen zusammen, um Kontakte zu knüpfen und Anregungen für die eigene Arbeit mitzunehmen.
In seiner Keynote stellte Nils Ole Plambeck vom Think Tank Agora Agrar die Studie „Die Zukunft von Landnutzung und Ernährung in Deutschland“ vor, die darlegt, dass Deutschland unabhängiger von Agrarimporten werden und zugleich Klima- und Biodiversitätsschutz stärken kann. Für die Landwirte brauche es dafür u.a. attraktive Honorierungen für betriebliche Umweltleistungen, die sie im Sinne des Gemeinwohls erbringen. Außerdem solle bei der Förderung von Biodiversitätsmaßnahmen ergebnis- statt maßnahmenorientiert gedacht und die Landschaftsebene stärker berücksichtigt werden. Dafür zähle auf einzelbetrieblicher Ebene das erzielte Umweltergebnis, während auf Landschaftsebene eine koordinierte Maßnahmenplanung und Umsetzung durch mehrere Betriebe erfolge.
Prof. Dr. Ralf Bloch von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde und Vorsitzender des Brandenburger Naturschutzbeirats verdeutlichte in seiner Keynote ebenfalls die Wechselwirkungen zwischen Klimaveränderungen und Biodiversität. Die positiven Entwicklungen im Naturschutz würden durch den Klimawandel konterkariert. Die bisherigen Maßnahmen wie die Ausweitung des Ökolandbaus und Einrichtung von Schutzgebieten in den 90er Jahren reichen daher nicht aus. Es dürfe keinen weiteren Abbau von Werten und Normen geben.
Monitoring des Brandenburger Klimaplans
Handlungsbedarf wurde auch durch den Vortrag von Carsten Linke aus dem Brandenburger Wirtschaftsministerium ersichtlich. Er demonstrierte anhand unterschiedlicher Statistiken, dass durch den Klimawandel das Wasser im Land knapp ist: Die Grundwasserstände im Land sinken stark, die Speicherkapazität des Bodens nimmt ab und Niederschläge im Sommer verdunsten zunehmend. Dadurch wird Wasser ein knappes Gut. Neben den großen Auswirkungen auf unsere Gesellschaft ist auch die Biodiversität dadurch bedroht. Dr. Frank Zimmermann vom Landesamt für Umwelt berichtete über bedrohte Lebensraumtypen und Artenvielfalt in der Region, bspw. finden Amphibien keine Kleinstgewässer zum Laichen mehr.
Die Fachtagung brachte deutlich zum Ausdruck, dass die Landespolitik sich den Themen annehmen muss. Wie Bernd Brouns vom Brandenburger Landwirtschaftsministerium berichtete, wird der 2024 von der Landesregierung beschlossene Klimaplan in diesem Jahr einem Monitoring unterzogen. Brouns stellte den Aufbau des Klimaplans vor und kündigte an, dass der Umsetzungsstand der einzelnen Maßnahmen zukünftig für alle transparent im Online-Maßnahmenregister abgebildet werden soll.
Vorstellung praktischer Maßnahmen für Biologische Vielfalt und Klimaanpassung
Während am Vormittag der fachliche Input im Vordergrund stand, ging es am Nachmittag um den Wissensaustausch der Teilnehmenden. In drei Fachforen diskutierten je ca. 20 Tagungsteilnehmende vertieft ein Biodiversitätsthema. Ein Fachforum widmete sich der Förderung von Artenvielfalt gerade an trockenen Ackerstandorten. Im zweiten Fachforum ging es um die Anlage von Gehölzstrukturen und Mahdgutübertragung zur Aufwertung von Grünland. Im dritten Fachforum berichteten Dr. Johanna Kuczyk (WWF, Brommi-Projekt) und Linus Altmann über Maßnahmen zum Insektenschutz in Zeiten von Starkregen und Dürre, darunter das Anlegen von Beetle Banks – so genannten Insektenoasen in der Feldflur.
In den Fachforen wurde deutlich, dass Brandenburg in der Klimaberatung erst am Anfang steht. Für landwirtschaftliche Beratungskräfte ist der Themenbereich überwiegend neu und muss interdisziplinär gedacht werden. Die Fachtagung bot eine gute Plattform zur Bestandsaufnahme und Darlegung von nötigen nächsten Schritten.
„Wir freuen uns, dass sich viele Menschen in Brandenburg mit Beratung zu Klimaanpassung in der Landwirtschaft beschäftigen. Das zeigt, dass neue Konzepte und Maßnahmen helfen können, Herausforderungen zu meistern – und zugleich die Biodiversität stärken“ so Christina Menne, Projektleiterin der Vernetzungsstelle Biodiversitäts- und Klimaberatung.
Über das Projekt
Die Vernetzungsstelle Biodiversitäts- und Klimaberatung wird von der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg e. V. (FÖL), dem Deutschen Landschaftspflegeverband (DVL) und weiteren Praxispartnern durchgeführt. Das Projekt „Vernetzungsstelle Biodiversitäts- und Klimaberatung in der Agrarlandschaft Brandenburg“ wird durch das Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg gefördert und ist kofinanziert durch die Europäische Union.
Weitere Informationen
Projektwebseite: https://naturschutzberatung-brandenburg.de/
Fotos: FÖL e.V.
Kontakt
Christina Menne – Projektleitung Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg e.V. (FÖL)
Marienstraße 19-20
10117 Berlin
Tel.: 0151 6090 9719
E-Mail: c.menne@foel.de









